Ein Besuch im Jugend-Freiluftgefängnis Kampiringisa

Besuch im Jugend-Freiluftgefängnis Kampiringisa, Mpigi, Uganda
Walter Franken, 2014

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Es war Mitte Juni, als ich zusammen mit meinem Kollegen Marc Stefaniak ins Zentrum unserer Partnerorganisation MLISADA – Music, Life Skills and Destitution Alleviation – in Kampala im Stadtteil Nsambya kam. „Heute fahren wir ins Jugendgefängnis Kampiringisa“, hieß es von Bosco, einem der Leiter des Zentrums. – „Lass uns nicht von Jugendgefängnis sprechen, sondern den offiziellen Begriff Rehabilitationszentrum benutzen“ antwortete sein Kollege David.

Ein Toyota-Kleinbus mit Fahrer wartete schon auf uns aktive Besuchergruppe. Hier waren Bosco, David, Professor Godfrey von MLISADA, Jim , Pilot von British Airways und Startrompeter, Jane, von der MLISADA Brassband, Rochelle, Sponsorin aus New York, vier Jungjournalisten aus den USA, die bei der ugandischen Tageszeitung „Daily Monitor“ ein Praktikum absolvierten, und schließlich Marc und ich von INTERKULTURA.

Die Fahrt verlief über die Vororte Kampalas in Richtung Westen zur Masakaroad, wo wir nach etwa 30 Meilen vor der Kleinstadt Mpigi in einen Feldweg einbogen und weitere drei Meilen durch ein Waldstück fuhren. Am Horizont erschien das berühmt berüchtigte „Rehab-Center“-Kampiringisa. Der Komplex besteht aus fünf großen Barackentrakten, wo zurzeit 173 Kinder und Jugendliche untergebracht sind. Es handelt sich hauptsächlich um Kinder, die auf den Straßen von Kampala aufgesammelt und von der Polizei hierher gebracht wurden, aber auch um straffällig gewordene Kids und Jugendliche, die hier auf ihr Gerichtsverfahren warten.

Als wir aus dem Kleinbus stiegen, griffen die Kinder spontan zu unseren Händen, suchten nach ein wenig Körperkontakt, wie junge Hunde, die ihren Herrn und Beschützer suchen. Der totale Verlust von Nähe, Vertrauen und Zuwendung in Familie wie Gesellschaft war bei den Kindern deutlich, das Innerste berührend, zu spüren. Diese Kinder sind Waisen, wurden von ihren Eltern oder Verwandten zum Betteln auf die Straße geschickt, viele haben sicher Gewalt erfahren. Sie sind weg gelaufen, frei nach dem Motto der Bremer Stadtmusikanten: „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“.

 

Unsere Besuchergruppe wurde freundlich von einem athletischen, jünglichen Officer empfangen. Er erklärte uns, dass die Kinder hier vorläufig untergebracht seine, der Staat aber außer Reis und Bohnen und einer minimale Krankenversorgung in einem Gesundheitscenter unweit keine Leistungen erbringen könne. – Eine Bearbeitung und Unterstützung bei der Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen, eine adäquate medizinische Versorgung und Vorbeugung von Malaria-, AIDS- und weiteren endemischen und sexuell übertragbaren Infektionen sowie Hygieneaufklärung finden nicht statt.

Bildungs- und Rehabilitations-Maßnahmen – ebenso Fehlanzeige!
So werden die Kids sich hauptsächlich selbst überlassen. Und bei Konflikten oder Ausbruchsversuchen hart bestraft.

MLISADA hatte unter diesen Umständen angeboten, ein life-skills-Programm aufzulegen und talent- und damit Selbstvertrauen-fördernde Workshops mit erfahrenen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern anzubieten. Als Pilotprojekt wurde Musikunterricht angeboten, sehr praxisorientiert. Musikinstrumente wurden von Sponsoren herangekarrt, MLISADA-Lehrer und Weltgäste unterrichteten.

Inzwischen hatte sich schon eine Band gebildet und die Besuchergruppe erhielt eine musikalische Kostprobe mit Meistertrompeter Jim von Brass for Afrika im Schatten eines Mangobaumes, die Weite der grünen Landschaft im Blick. Dieses sollte ein eindrucksvoller Beweis sein, wie Motivation in Fähigkeiten und Fertigkeiten umgesetzt werden kann. Diese Kinder werden die Zukunft in der Gesellschaft meistern – sie brauchen nur etwas Förderung und Orientierung!

Marc und ich verließen nachdenklich mit den anderen das Gelände zur Heimfahrt nach Kampala. Die Kinder winkten uns traurig nach und wir diskutierten, wie MLISADA und INTERKULTURA hier mit weiteren praktischen, Trainings-, Bildungs- und Ausbildungstrainingsmaßnahmen helfen könnte.

Leute, die Ihr diesen Beitrag lest, gebt Euch einen Ruck. Wir bitten Euch ganz persönlich um eine Spende für diese Arbeit!